Florida Diaries (13): Tag 11, Homosassa Springs - die Seekuh

Man muss dringend mal erwähnen, was für tolle Tiere Seekühe doch sind. Delfine sind Mainstream, die kleinen Klugscheißer drängen sich immer in den Vordergrund, aufdringlich springen sie um Boote herum, damit nur ja jeder ihren eleganten Körper bewundert, und für Fisch machen sie jeden erdenklichen Scheiß mit, egal wie sinn-, geist- und würdelos, Haupstache, irgendwer schmeißt ihnen hinterher ein paar Heringe ins Maul. Delfine sind die Comedians der Tierwelt, bei ihrem Anblick bekomme ich augenblicklich Appetit auf Pizza Tonno.

Ganz anders die Seekühe. Sollte sich am Ende zeigen, dass doch alles ganz anders ist als gedacht, dass also die irren Kreationisten schließlich Recht behalten haben, dann muss man ihnen eines lassen: Ihr Gott ist zwar zweifellos ein mieses Arschloch angesichts dessen, was er da alles so zugelassen hat, aber zumindest bei der Sache mit den Seekühen, da hat er wirklich Humor bewiesen. Ein bisschen sehen Seekühe so aus, als wäre eine große Horde Delfine verreckt, in den warmen Gewässern anschließend ordentlich aufgetrieben und aufgebläht worden, und dann von jenem Kreationisten-Gott, der seinen richtigen Einsatz einmal mehr verseppelt hat, kurz bevor sie endgültig durch die Fäulnisgase explodiert wären, im letzten Augenblick wieder zum Leben erweckt worden. Seitdem dümpeln sie also wie große Ballons mit Schwanz und Flossen dran als Manatees durch die Küstengewässer Floridas. Für Fische sind sie jetzt viel zu langsam, deswegen müssen sie den lieben langen Tag Pflanzen fressen. Gemütlich treiben sie im flachen Wasser, mümmeln von morgens bis abends vor sich hin, tun keinem Wasserfloh etwas zuleide und lassen den bösen Gott einen schlechten Mann sein.

Da dieser dem unheilvollen Treiben der Menschen immer noch kein Ende gesetzt hat, wird die Seekuh-Idylle leider empfindlich gestört. Anders als Delfine springen Seekühe nicht um Boote herum, denn dafür sind sie viel zu schwer und zu träge und zu langsam. Genau genommen reagieren sie auf Boote mit Menschen drin auf die einfachste und im Grunde ja auch richtige Weise: Sie ignorieren sie vollständig. Leider mit dem Effekt, dass es permanent zu Kollisionen kommt, bei denen die Schrauben der Schiffe den Meeressäugern schlimme Verletzungen zufügen. Vor allem deshalb ist auch diese Art hoch bedroht. Via: taz.de/blogs

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